Montevideo, Uruguay

15 – 19 Januar 2017

Nachtbus nach Buenos Aires, mein Sitznachbar teilt seinen Mate mit mir, wir quatschen stundenlang. Bin erleichtert, als wir pünktlich in aller Früh ankommen, da um sechs Uhr die Fähre nach Uruguay geht, dann nochmal weiter nach Montevideo mit dem Bus. Dort treffe ich meine Schwestern wieder, die schon am Abend vorher angekommen sind.

Was sofort auffällt: die Menschen hier sind unglaublich hilfsbereit und auf dem Weg zum Treffpunkt mit meinen Schwestern wird mir gleich dreimal unaufgefordert Hilfe angeboten.

Unser Hostel liegt in einer ruhigen Wohngegend, relativ neu, stilvoll eingerichtet und eine Küche mit allem, was man braucht.

Nach dem Check-in machen wir uns gleich auf zu einem langen Spaziergang, Ellen übernimmt wieder die Führung. Ich bin ganz irritiert von der Ruhe hier: wir sind in der Hauptstadt und alles wirkt irgendwie verschlafen wie an einem Sonntagmorgen – ist heute Sonntag? Keine Ahnung.

Der zweite Markt, zu dem Ellen uns leitet, macht richtig Spaß. Mittlerweile bin ich nämlich von vielem nicht mehr beeindruckt, ein bekanntes Phänomen unter Langzeitreisenden: noch ein Berg, noch ein See, noch eine Weingegend, noch ein Markt. Aber dieser ist besonders: neben Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Gewürzen und Essen auf die Hand findet man hier auch einen Trödelmarkt: Bücher, Schmuck, Klamotten, Küchenutensilien, CDs und vieles mehr.

Auf dem Heimweg schauen wir aufs Kinoprogramm im Shoppingcenter um die Ecke und entscheiden uns für die Vorstellung um zehn, Film ‚Passengers‘. Zurück im Hostel ist es dann vorbei mit der Ruhe: im Nachbarhaus läutet die Sirene, keiner zuhaue und wirklich interessieren tut es auch niemanden. Somit erwarten uns zwei Tage und Nächte mit Sirenenlärm. Ellen ist ernsthaft genervt, die Oropax schmerzen langsam, Anne und ich stecken es besser weg, aber es ist definitiv ätzend, eine Sirene im Schlafzimmer zu haben. Die Alternative wäre geschlossenes Fenster mit akutem Sauerstoffmangel. Am dritten Abend ist das Ding endlich aus. Der Film ist richtig gut, kann ich empfehlen!
Die Walkingtour hier ist mit Abstand die beste, die ich bisher erlebt habe. Humorvoller Typ, der uns mit allen möglichen interessanten Fakten zu Uruguay versorgt, von denen manche kaum zu glauben sind:

  • alle sind krankenversichert, auch Touristen
  • für 6€ bekommt man einen Pass und Arbeitserlaubnis, jeder ist willkommen einzuwandern
  • Obdachlose werden mit Essen und Schlafplatz versorgt
  • Bildung kostet nichts
  • 60% Atheisten 
  • 4 mal mehr Kühe als Einwohner 
  • Marihuana ist legal
  • Wer mit Karte zahlt, bekommt 20% Nachlass
  • Da viele Paare nicht mehr heiraten, und jeder eine Party bekommt, gibt es „fake weddings“. Wir entscheiden, irgendwann auch eine zu organisieren.
  • Da die Population so überschaubar ist, gibt es viele liberale Regelungen

Nach der Tour trinken wir Kaffee im berühmten Café ‚Brasilero‘, folgen einem Tipp für einen veganen Laden und lassen den Abend gemütlich im Hostel ausklingen.

Eigentlich wollten wir die Tage hier in Uruguay ja komplett am Strand verbringen, haben dann aber doch entschieden, die Basis in Montevideo zu lassen, da die berühmten Strände sechs Stunden weit weg liegen, was sich für unsere begrenzte Zeit nicht wirklich lohnt. Einen Strandtag gibts aber trotzdem: wir fahren mit dem Bus nach Atlantida. Der Nieselregen, der uns ins Gesicht weht als wir aussteigen, verheißt zunächst keine guten Aussichten, aber nach und nach kommt die Sonne raus und so holt sich Anne ihren ersten heftigen Sonnenbrand, der sich abends unter der Dusche zeigt und sie unglaublich aufregt. Mein Rücken spannt auch etwas, muss ich zugeben.
Ich koche am Abend für uns und der Plan, den nächsten Tag auch am Strand zu verbringen, ist keine Option mehr für Anne. Stattdessen widme ich mich endlich mal wieder meinem Blog und die beiden bummeln durch das Shoppingcenter. Zum Sonnenuntergang machen wir einen Spaziergang zum Leuchtturm – richtig schön da!

Fotoausstellung Montevideo vor 90 Jahren

Der Moment zu entscheiden rückt näher, ich mache eine Liste mit pro und contra, auch wenn ich weiß, dass das am Ende eine Bauchentscheidung wird. Viele Gespräche mit meinen Schwestern, macht mich langsam wahnsinnig, kann mich manchmal selbst nicht mehr reden hören.

Ich will mich bewusst FÜR etwas entscheiden und nicht aus Angst handeln. Die Antwort ist in dir!

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