Carnaval in Oruro, Bolivien

24 – 27 Februar 2017

Wie verabredet treffe ich Nelson vor dem Haus, wo wir schlafen werden. Über das Karnevalswochenende ist hier die Hölle los und die Preise schießen wohl in die Höhe; da Nelson über eine Bekannte an das Zimmer gekommen ist, muss ich mich um nichts kümmern. Kaum haben wir unser Gepäck abgelegt, ziehen wir mit der Dame des Hauses und ein paar ihrer Freunde mehr oder weniger gleich wieder los in Richtung Bar, wo wir das erste bolivianische Bier trinken. Die Nacht auf meiner Isomatte, die mehr für Yoga als zum schlafen gedacht ist, wird ziemlich ungemütlich und kalt ist es noch dazu; mit meinem Sommerschlafsack komme ich hier nicht weit, also ziehe ich mitten in der Nacht Socken und Pullover an. 

Fast schon froh, dass der neue Tag anbricht, machen wir uns bereit für den Carnava – nein, keine Kostüme! Nelson richtet sein Kameraequipment und ich bekomme seine Pressejacke (um die ich dankbar bin bei der Kälte hier), da ich keinen Ausweis habe wie er, um mich mitten zwischen den Umzügen aufhalten zu dürfen. Wir proben kurz, was ich antworte, falls jemand meinen Ausweis sehen möchte, Nelson macht mich offiziel zu seiner Assistentin und los gehts.

Schon von weitem hört man die Trompeten und Pauken, ganz unerwartet unkompliziert kommen wir mitten ins Getümmel, kein Mensch fragt uns nach dem Ausweis. 

Bunt, laut, Tanz, Gesänge – Nelson schießt zwei Tage lang fast pausenlos Fotos, ich assistiere, helfe ihm beim Objektivwechsel, trage sein Stativ, mache ihn aufmerksam, wenn mir etwas ins Auge fällt. Pause machen wir praktisch nur zum Essen oder wenn es unaufhörlich schüttet.

Sprühschaumschlacht – ganz davon kommt man nie

Pausenzeit

Am ersten Abend bin ich gegen zehn komplett durchgefroren und müde, das ist richtige Arbeit! Mit Bier und Nüssen auf unserem Zimmer lassen wir die Abende ausklingen und philosophieren über das Leben, die anderen im Haus gehen feiern bis in die Morgenstunden.

Obwohl am Montag die größte Feierei vorbei ist, verbringen wir den Tag noch in der Stadt, da wir am Abend den Nachtbus nach Sucre nehmen. Nelson hat sich entschieden, mit mir zu kommen. Als Selbstständiger ist er flexibel und Motive gibt es überall.

Was mich vor unserer Abreise noch schockt, ist der Preis, den die junge Dame für das Zimmer verlangt, denn schon nach der ersten Nacht fällt auf, wie verdreckt das Haus ist: alles komplett verstaubt, im Vorratsschrank findet man Mausekot, die Küche voll mit Essensresten, schmutzigem Geschirr, überall Müll, mal in Müllsäcken, mal auch nicht. Der Gipfel von all dem ist für mich im ersten Stock die Ecke am Kamin mit Teppichboden: die zwei Hunde, die das Haus nie verlassen zu scheinen, haben den Platz zur Hundetoilette gemacht, es stinkt nach Pisse und ja, Hundeschiss liegt auch rum, absolut widerlich! Während meiner ganzen Reise hab ich nicht so viel Geld pro Nacht ausgegeben, und dann noch so was. Ganz zu schweigen davon, dass es kein Bett gibt und wir das Zimmer wahrscheinlich sauberer als vorher verlassen. Das ist eine dieser Dinge, die ich ganz schnell abhaken will. Unfassbar, wie man ohne Not so hausen kann.

Vollbepackt mit Hab und Gut machen wir uns auf Richtung Terminal; heute Nacht gehts nach Sucre.

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