Puerto Escondido – beach time! 

20 – 29 Oktober 2017

30 Grad, hohe Luftfeuchtigkeit und direkt am Meer: da steigt meine Laune ganz automatisch mit Vorfreude auf den Strand. Unser Hostel Casa Losodeli liegt nur zehn Gehminuten entfernt. Wir werden freundlich empfangen und in unser Zimmer geführt, welches direkt hinter dem Pool liegt, dessen Anblick mir ein ‚wow!‘ entlockt. Der ist ja groß genug zum schwimmen – geil!

Wir legen ab und wollen direkt wieder los, unseren Hunger stillen. An der Bar des Hostels treffen wir auf Andrea: groß, schlank, braun gebrannt, blondes Haar, welches er mit einer Kappe verdeckt und viele viele Tattoos. Seine hellen grünblauen und doch sanften Augen stechen hervor. Wir fragen nach unserem Willkommensdrink, den man uns an der Rezeption angekündigt hat – Meskal. Da haben wir jetzt gar keine Lust drauf, also fragen wir ganz nett, ob wir gegen ein Bier tauschen können. Erst da meint Chloe: oh Sarah, you can’t drink! Hab ich das doch komplett vergessen – mein alkoholfreier Monat! Da wir aber gerade so in Stimmung sind, legen wir grinsend mehr Ausnahmen fest: Tasting und wenn es kostenlos ist – Prost! Wir schlendern die breite ruhige Straße Richtung Meer entlang, die gesäumt ist von Cafes, Bars, Restaurants und ein paar Surferläden. Letztendlich endscheiden wir uns für ein Restaurant mit einer Art Biergarten in sanftem Schein von Lichterketten: Tacotime! wir freuen uns auf ein paar Tage Strand und Pool.

Ich mag Chloe mit jeder Stunde, die wir uns annähern, mehr: sie ist entzückend, entspannt und für ihre 27 Jahre hat sie viel erlebt. So reiste sie vor vier Jahren nach Vietnam, kaufte sich spontan ein Motorrad und fuhr damit von Norden nach Süden – ich bin beeindruckt! Sie spielt wohl verdammt gut Geige, zu gern würde ich sie mal spielen hören.

Hostel Losodeli

Mein Geist kommt langsam aber sicher zur Ruhe: Routine am Morgen auf dem Dach mit Übungen und Meditation in den Sonnenaufgang, eine halbe Stunde schwimmen – so beginnt der Tag doch schon viel energievoller. Die Meditation lässt mich wieder spüren, dass es nur hier und jetzt gibt, alles andere ist Hirngeficke.

Meditation in den Sonnenaufgang
Sonnenuntergang – Blick vom rooftop

Ich habe entschieden, keine Volunteerarbeit zu machen und Chloe nach San Cristobal zu folgen: gute Menschen sollte man um sich behalten und sie tut mir gut, warum also früher trennen als es sein muss.

Hier im Hostel lerne ich eine weitere coole Chica kennen: Kyra aus der Schweiz: Anästhesistin mit dem Privileg von vier Monaten Urlaub im Jahr, während denen sie durch die Welt surft, den besten Wellen auf der Spur. In ihr Auto hat sie sich ein Bett gebaut und ist an die besten Surfspots in Südeuropa gefahren. Sie ist sehr direkt und aufgeschlossen, was mir gefällt, ihre Stimme hört man schon von weitem. Wie ich ist sie mehr oder weniger ewig Single und will sich nicht einengen lassen, Wassermänner eben – sie inspiriert mich mit der Autogeschichte, früher oder später muss ich das auch machen. Als ich ihr von meiner Lebenssituation berichte, schlägt sie vor, in der Schweiz zu arbeiten. Zeitarbeit mit hohem Verdienst für sechs Monate im Jahr ist da Gang und gebe – ihre Tür ist immer offen für mich. Zu meiner Schwierigkeit mit Entscheidungen sagt sie: kein Stress machen und Zeit festlegen, in der einfach mal nichts entschieden wird – guter Tipp! Gerne hätte ich mehr Tage mit ihr verbracht, doch sie reist wegen gebrochener Rippen zwei Monate früher als geplant wieder nach Hause. An einem Abend schauen wir uns allerdings noch alle gemeinsam den Sonnenuntergang am Meer an – Ausnahme Nummer 3 für Bier.

von rechts: Kyra, Chloe, ich, Andrea und drei weitere Schweizer
Sonnenuntergang am Playa Coral

Chloe geht nach vier Tagen zurück nach Oaxaca, ich bleibe hier und wir werden uns in San Cristobal wieder treffen. Heute morgen läuft Julio Iglesias, was mich gleich in gute Stimmung bringt, ich mag seine Schnulzen, erinnert mich an die Sommer in Frankreich.

Andrea, der Barkeeper, muss nur abends arbeiten und so verbringen wir die Tage miteinander am Strand oder am Pool und kochen abends gemeinsam. Der kleine versteckte Strand Playa Coral, zu dem man in zehn Minuten radelt, ist ein unberührtes Paradies.

Playa Coral

Baby-Schildkröten auf ihrem Weg ins Abenteuer Leben
Schlendern am Meer mit Andrea

Andrea ist übrigens auch Schweizer und sein Land war hier zeitweise mit sieben Leuten vertreten, was sogar die deutschen Reiseweltmeister getoppt hat. Ich mag seine ruhige entspannte Art. Tief beeindruckt bin ich von seinem Erfolg dieses Jahr: er lief in dreieinhalb Monaten den Pacific Crest Trail, der im Westen der USA von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze führt und knallhart ist (mein Filmtipp hierzu: „Wild“ mit Reese Witherspoon). Bei einem Abendessen vertraut er mir seine ganze Geschichte an und in dem Moment verstehe ich, weshalb er nun die Stille und Ruhe sucht. Details kann ich ausnahmsweise nicht preisgeben, versprochen ist versprochen. Sein sensibles Wesen habe ich von Anfang an wahrgenommen, jetzt bekommt das Ganze Tiefe! Welch gutes Beispiel, wie vielschichtig wir doch sind – ich bin dankbar für sein Vertrauen.

Die Ruhe hier ist herrlich, genau das, was ich gerade brauche! Mein Kopf schaltet endlich mal wieder ab, auch wenn irgendwo die Frage herumschwirrt, wie ich denn nach Weihnachten weitermachen will. Eine klare Antwort habe ich noch nicht parat, aber ich spüre: 

Alles ist möglich, wenn ich den Weg erst einmal klar vor mir habe. Dann werden Energien freigesetzt, welche auch die verrückteste Idee erfolgreich in die Realität umsetzen.

Puno und Arequipa, Peru

15 – 20 März 2017

Ankunft in Puno: Endlich etwas wärmer hier! Das Hostel ist nur 1,6km weit, laufen wir natürlich. Super freundlich werden wir an der Rezeption begrüßt und ich bin begeistert von unserem Zimmer: keine Stockbetten, Viererzimmer und viel Platz. Sein Tagen wollen wir unsere Sachen waschen lassen und tragen unsere letzte Unterwäsche, Debbie musste schon von Hand waschen; gegen Abend suchen wir also die nächste Lavandería auf, wollen nur kurz unsere Sachen abgeben und danach gleich weiter, Hunger stillen. Der Himmel sieht verdächtig dunkel aus und wir hören schon das Donnern. Auf dem Weg fallen die ersten Regentropfen und kaum dort angekommen, gehts los: es schüttet von jetzt auf gleich in Strömen, keine fünf Minuten später der erste Hagel. Ungläubig schaue ich Debbie an und wir müssen beide lachen. Die Straßen verwandeln sich in Bäche, die Gehwege werden komplett weiß, bedeckt von einer Hagelschicht. Über eine Stunde warten wir in der Wäscherei, beobachten amüsiert, wie Passanten stehenbleiben, zögern, auf die andere Seite blicken, insgeheim hoffen, irgendwie trockene Füße zu behalten, drei große Schritte durchs Nass und keine Chance, alles durchnässt. Letztendlich hilft alles nichts, wir stürzen uns ins Getümmel und barfuß gelangen wir mit trockenen Schuhen und Socken in der Hand auf die andere Seite – die Kälte sticht in die Fußsohlen, ich lache und schreie zugleich.

Hallo Peru! Gewitter mit Hagel und unaufhörlichem Regen

In der Avenida Lima überlegen wir nicht lange und betreten das zweite Lokal, an dessen Eingang die Kellner uns mit Speisekarte abfangen und in die Wärme bringen. Direkt neben dem Steinofen nehmen wir Platz, bestellen Rotwein, Suppe, Pizza und Überbackenes und stoßen auf unser kleines Abenteuer an. Victor meldet sich, wir schicken ihm unseren Standort und wenig später läuft er in Flipflops ein, wir teilen unser Abendmahl mit ihm und sind ganz gefesselt von seinem Erlebnis in der Wildnis über die Grenze. Eine Nacht unter Wölfen hat er verbracht und wäre fast zusammengebrochen, wollte aufgeben, als ihm ein Kolibri den Weg zeigte und ihm die mentale Kraft gab um weiterzugehen.

Ausflugsziel Nummer eins hier sind die berühmten schwimmenden Inseln, wo man Naturvölkern begegnet, allerdings hören wir nichts Positives von dort: super touristisch, für alles muss man Geld bezahlen, daher entscheiden wir uns dagegen und nutzen den Tag für Organisatorisches – alles läuft wie am Schnürchen: wir kaufen unser Busticket für die Weiterreise, verbringen eine Stunde im Supermarkt mit glücklichmachender Auswahl und treiben dort unseren Schabernack, entdecken eine Bäckerei, welche Debbies Schokosucht befriedigt, besorgen uns eine Simkarte für Peru und essen dann im veganen Restaurant um die Ecke das Mittagsmenü für lächerliche vierzehn Soles (4€), was uns geschmacklich umhaut: Getränk, Salatteller, Suppe, Hauptgericht, Dessert – und alles einfach nur megalecker! Ein Blick zwischen uns genügt und wir wissen, morgen kommen wir wieder!

Veganes Menü – ein Traum!

Schon nach einem Tag hier in Peru sind wir froh, nicht mehr in Bolivien zu sein: die Straßen sind sauber, die Menschen aufgeschlossener und das Essen ist intetessanter.

Zurück im Hostel chillen wir erst in der Sonne, dann im Bett – es regnet wieder, wir sortieren unser Hab und Gut, trinken dabei Wein und hören Musik; abends wird gekocht.

‚Ich packe meinen Koffer…‘

Morgen geht unsere gemeinsame Zeit zuende: Debbie wird nach Cusco reisen, ich hab mich für Arequipa entschieden und will danach vielleicht nochmal in den Norden von Chile ans Meer. Die letzten Stunden verbringen wir auf dem Sofa im Hostel, schauen Netflix und Debbie versorgt uns mit Tee – ich werd sie vermissen! Zwei Wochen sind wir zusammen gereist; der Gedanke, wieder auf sich gestellt zu sein und allein auf sich selbst aufzupassen, ist ungewohnt. Um zehn Uhr abends ist es dann soweit: Abschied von Debbie…wir nehmen uns fest in den Arm, ich spüre, mit ihr eine Freundin fürs Leben gefunden zu haben.

letztes Festmahl mit Debbie – wir sind glücklich!

In Arequipa angekommen quatsche ich auf dem Weg zur Unterkunft wie immer mit dem Taxifahrer und hole so die ersten Infos zu Wetter und Sicherheit ein. Mein Hostel liegt direkt an der Altstadt, bis zum Check-in döse ich im Wohnzimmer und google, was man so machen kann hier: es gibt einen berühmten Canyon, den man innerhalb von zwei bis drei Tagen durchwandert, kostet aber auch einiges. Für heute Nachmittag melde ich mich spontan zum Kochkurs an, da hab ich Bock drauf. Peruanische Küche soll eine der besten sein, das passt und vegane Alternative bieten sie auch an, perfekt. In einem großen Innenhof mit Garten trudeln die Teilnehmer ein, außer mir und einer weiteren Frau alles Pärchen. Die Köchin macht einen sympathischen Eindruck, ist mir nur ein kleines bisschen zu steif, vielleicht bin ich aber auch zu kritisch und sensibel. 

Ich bekomme neue Inspiration fürs Kochen und verbringe so einen angenehmen Nachmittag.

Am Sonntag wähle ich eine der vielen Walkingtourangebote, hier meine Eindrücke von Arequipa:

Plaza de Armas

Säfte mit püriertem Frosch, könnte grad kotzen!

Schlimme Überschwemmungen führen gerade zu einigem Leid hier in Peru. Viele Straßen sind dadurch gesperrt, zerstört oder zu gefährlich. Im Hostel suchen einige Reisende daher nach Flügen, um rechtzeitig zu ihrem nächsten Ort zu gelangen. Ich hab mich entschieden, nochmal in den Norden von Chile zu fahren: ich vermisse das Meer, die Sonne auf der Haut. Für morgen abend besorge ich mir also ein Busticket nach Arica, Couchsurfing ist auch organisiert und verbringe die Zeit bis zur Abfahrt entspannt, erledige aber noch eine Aufgabe, die schon länger auf meiner Liste steht: Mein letzter Ethikkurs der Oberstufe hat nächste Woche Abifeier und mich gebeten, eine Videonachricht zu schicken. Nach zehn Anläufen – jedes Mal bellt mir ein Hund in die Aufnahme oder eine Alarmanlage heult los – ist das Ding endlich im Kasten. Dann noch mit einer App schneiden und kürzen, alles mit dem Handy, nicht perfekt, aber es geht ja um den Inhalt. Bin zufrieden mit dem Ergebnis und hoffe, es berührt und regt zum Nachdenken an; auch das teile ich hier mit euch.

The journey begins

Ein Jahr raus, weg von allem Gewohnten, Südamerika mein Ziel, dabei insbesondere Chile, da mein leiblicher Vater aus Santiago ist. Spurensuche und Selbstfindung.

Schon Wochen vorher war ich ziemlich nervös und hab gemerkt wie sehr ich doch an meiner Heimat und den Menschen um mich hänge. Gleichzeitig hat es mich gepuscht, alles loszulassen, um nicht zu festgefahren zu werden…

Viele nahestehende Menschen nochmal treffen… habe bewegende Momente.
Letzten bürokratischen Kram klären, zwei Wochen vorher den Rat meines Freundes Benni beherzigen und einen Untermieter suchen, der mit meinem Bruder die Wohnung teilt- aber dank Holder-Glück gleich mit der ersten Dame ein super Gefühl :). Klamotten und persönliches aus der Wohnung räumen- fühlt sich an wie ausziehen. Vor dem Schlafengehen und beim Frühstück mache ich Lektionen mit dem digitalen Sprachkurs babbel, um mein Spanisch zu reaktivieren. Immer der Gedanke: hab ich was vergessen? Es wird Zeit, dass die Reise losgeht.

Obwohl ich gefühlt kaum noch freie Stunden habe, nehme ich mir nochmal einen Tag Zeit für meine Nichte Soraya für ein sleepover bei ihrer Tante in Mannheim. Die Stunden mit ihr holen mich aus dem Stress – tut gut!

Water tower in Mannheim, Germany 

Dann kam der 8.September. Ein Teil meiner wunderbaren Familie und engsten Freunde mit am Flughafen:

Ich war tief bewegt. 

-Die Begegnung mit Menschen in Liebe macht das Leben unendlich reich-